Krieg oder Frieden?

Alexander Majak, vor den Zwangsarbeiterbaracken der Westfalia Dinnendahl Gröppel AG, Bochum Verkehrsstraße, Juni 1943; Foto: Privatarchiv W. Jachnow

Ein Friedensappell,

von Alexander Majak, Donezk 1982

Ich will nicht, dass es wieder Krieg gibt, dass an der Front sterben die Väter und die Söhne, dass die Erde versinkt im Meer der Tränen von Müttern, dass der Kummer der Waisen wie mit Zangen unsere Herzen drückt.

Ich will nicht, dass zusammen mit den Menschen stirbt unsere Ernährerin – die Erde! Ich will nicht, dass dort, wo Kindergärten waren, plötzlich Atompilze wachsen.

Nicht den Tod will ich für mich, nicht für unser Land, nicht für alle Mütter der Erde. Mögen die, die den Krieg wollen, ihre Söhne schicken in die Hölle des Krieges.

Anders werden sie den Preis für ihren Unverstand nicht erfahren. Ich will nicht den qualvollen Blick der hungrigen Kinderaugen sehen!

In Schreck verzerrte Grimassen. Ich schreie es der ganzen Welt zu: Wir brauchen nicht den Krieg!

Menschen, unterstützt mich! Schließt euch zusammen, zu einer Familie! Dass unser Wille den Krieg verhindere, dass er werde wie Stahl.

Möge niemand die Mühe noch das Leben selbst beklagen, wenn es hingegeben wird für das Leben! Meine Stimme ist nicht allein, sie ist machtvoll, hinter ihr steht das ganze Land, meine Heimat ganz.

Glaubt mir, ich will wirklich nicht, dass in den Flammen des Krieges verbrennt mein Planet!

(* Alexander Majak arbeitete von März 1942 bis April 1945 als Schlosser in der Montage von Wasserpumpen und Apparaten für Schachtanlagen bei den Gröppelwerken. Er trug dieses Gedicht während seines Besuches in Bochum im August 1994 vor, um seinen Wunsch nach Frieden und Versöhnung auszudrücken. In: ….und die Erinnerung tragen wir im Herzen, Bochum 2002, S. 78 ff.)

Die Rede des Osteuropahistorikers Karl Schlögel anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels zum Ukrainekrieg in der Paulskirche, Oktober 2025

https://www.ardmediathek.de/video/phoenix-plus/friedenspreis-fuer-historiker-karl-schloegel/phoenix/Y3JpZDovL3Bob2VuaXguZGUvNTE0Mzg1OQ

Neue Stolperschwelle an der JVA „Krümmede 1933-1945“, 5. Juni 2025

„Mehr als 2.000 politisch verfolgte Menschen inhaftiert, Angehörige des Widerstandes aus Frankreich, Belgien und anderen besetzten Ländern Westeuropas. Mitglieder verbotener Parteien – christliche Regimegegner – Homosexuelle – Zeugen Jehovas. Viele verstarben an den Haftbedingungen oder werden in Hinrichtungsstätten der NS-Justiz getötet.“

Alfons Zimmer, ehemaliger Seelsorger im Bochumer Gefängnis, mit Schüler:innen (v. li.) der Hildegardis-Schule, vom Heinrich-von-Kleist-Gymnasium , der Heinrich-Böll-Gesamtschule und vom Klaus-Steilmann-Berufskolleg (Foto: S. Wycisk)

Die Reden können unter der Webseite vom Bochumer Bündnis gegen Rechts nachgelesen werden: https://www.bochumgegenrechts.de/

Disziplinierung und harte Strafen auch bei Zwangsarbeiter:innen bei Widerstand in Form von Flucht und „Bummmelei“

„Ab September 1942 wurde die Strafverfolgung von Frauen und Männern aus Polen und der Sowjetunion ganz der Polizei überlassen. Art und Ausmaß der Bestrafung konnte von der Gestapo bestimmt werden und reichte von Inhaftierung in Gefängnissen, Arbeitserziehungs- und Konzentrationslagern bis hin zu Folter, Misshandlungen und der Todesstrafe. Ihre Maßnahmen unterlagen keiner gerichtlichen Kontrolle.“ (Quelle: https://www.bildung-ns-zwangsarbeit.de/informieren/arbeit-ausbeutung/disziplinierung-und-gewalt/) Wieviele Zwangsarbeiter:innen aber im Bochumer Polizeigefängnis oder der Justizvollzugsanstalt Bochum in der Krümmede einsaßen, ist aufgrund der vielfachen Vernichtung der Akten nicht bekannt.

Zeitzeug:innen aus der Ukraine in Bochum

Hochzeitsfoto von Iwan Grizenko mit Ehefrau, Schachtjorsk 1952 (Foto: Archiv Waltraud Jachnow)

Iwan Grizenko (*20.04.1926 Kirovo) schreibt im September 2000: „Im Januar brachte man uns in die Stadt Soest in ein (…) Lager. Ich arbeitete im Schacht. Dort zerschlug man mir den Finger. Im Krankenhaus legte man ihn in Gips. Ich arbeitete nicht. Während eines Bombenangriffs lief ich weg. (…) Man fing mich und brachte mich ins Gefängnis nach Münster und von dort ins Gefängnis nach Bochum. Das war ein Gefängnis! Sie bestraften und schlugen uns bei jedem Schritt. Das war im April 1942. Zwei Monate Gefängnis, danach zur Firma ‚Gebrüder Möninghoff‘, Wiemelhauserstr. 128.“ (aus: … und die Erinnerung tragen wir im Herzen, Bochum 2002, S. 173 f.)

Viele Zwangsarbeiter:innen in Haft – 2001 berichten bereits mehrere Personen davon!

WAZ 21.06.2001
Awil Knjasew (*28.11.1920 Kursk) 1999 zu Besuch in Bochum
(Foto: Archiv W. Jachnow; bearbeitet S. Wycisk)

„Mit Bochum wurde ich Ende August 1942 bekannt, als man mich nach der Flucht zwei Wochen ins Gefängnis sperrte.1 Am 8. Juni 1944 wurde ich auf Grund eines Hinweises eines russischen Hilfspolizisten zusammen mit einer Gruppe von Kameraden verhaftet und saß zwei Monate im Gefängnis in Gelsenkirchen. Anschließend kam ich ins KZ Buchenwald, Außenlager Hadmersleben. Meine Nummer war 70380.2

1Ich war dabei, als Awil Knjasew bat, ihn noch einmal zum Bochumer Gefängnis zu führen. Unvergesslich bleibt für mich der Eindruck wie der alte Mann allein die hohe rote Ziegelmauer abschritt und sie mit der Hand berührte, diesmal von außen! W. Jachnow.

2Der Internationale Suchdienst Arolsen bestätigt auf eine Anfrage aus dem Jahr 1993 am 27.04.1998, dass Awil Knjasew ab 04.08.1944 in Buchenwald war, eingeliefert durch die Staatspolizei/Staatspolizeileitstelle Münster, Kategorie “Russischer Zivilarbeiter, Poli. (=Politisch), roter Winkel”, ab 05.09.1944 kam er zum Konzentrationslager Buchenwald/Kommando Hadmersleben.“ (aus: … und die Erinnerung tragen wir im Herzen, Bochum 2002, S. 129)

„Auf den Spuren der Zwangsarbeit im Bochumer Norden“

https://www.komoot.com/de-de/tour/2262221108?ref=itd&share_token=aT3SPvREHn28z4hpC1bJHkFwcJthrkqKmSSfr8xzek34bhhqn6&ref=its-qr

Fotos: Myra Kaiser

Von Donezk in den Pütt nach Bochum

Treffpunkt der Radtour der Initiative Gedenkort Bochum-Bergen war die Skulptur der „Knochen-Karl“ auf dem Gelände der ehemaligen Hauptverwaltung der Zeche Constantin. Nach einem Abstecher zum Prattwinkel – einer Straße in der der Steiger Nölting in den Kriegsjahren wohnte, der nachweislich Zwangsarbeiter gedemütigt hatte – fuhr die Gruppe in Richtung Kaiseraue nach Bochum-Grumme. An dem ehemaligen Standort der „Kaiseraue“ , Kreisverkehr Josephinienstraße/Tenthoffstraße, leitet Heinz Schlinkert von der Geschichtsgruppe Grumme seine Erläuterungen treffend mit der Formulierung ein: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“. Denn von der ehemaligen Gaststätte, die in den Kriegsjahren ab 1941 als Zwangsarbeiterlager diente, ist nichts mehr zu sehen. Lediglich ein Schild der Geschichtsgruppe erinnert an die Geschichte des einst beliebten Ausfluglokals. Der ehemalige Zwangsarbeiter Michail Petruk hielt seine Erinnerungen an die Zwangsarbeit auf Constantin und das Lager Kaiseraue in Briefen an die „Gesellschaft Bochum-Donezk e.V.“ wie folgt fest. Er schrieb: „Neben dem Gebäude (Kaiseraue) stand eine Baracke, umgeben mit Stacheldraht, in ihr lebten Franzosen. In diesem Lager lebten 240 Menschen – Ostarbeiter – … und 40 Personen aus der Westukraine.“ Alle aus dem Lager arbeiteten im Schacht 8/9 unter schwersten Bedingungen. Und wenn nach 8 Stunden in Hitze und Staub, nur mit Holzpantinen an den Füßen und halbnackt die „Norm nicht erfüllt wurde, musste man bis zur nächsten Schicht bleiben“. Der Hunger war unerträglich und die Nahrung vollkommen unzureichend und von äußerst minderer Qualität.

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Wir dürfen die Lehren aus der Geschichte nicht vergessen

Felix Lipski, Überlebender des Ghettos in Minsk, Bochum 8. Mai 2025

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa durch die vollständige bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Wir feiern heute 80 Jahre der Befreiung des Deutschlands vom Nazismus, das Ende des größten Blutvergießens der Weltgeschichte, die Rettung der europäischen Juden vor der vollständigen Vernichtung.
Im Zweitem Weltkrieg haben 60 Millionen Menschen ihr Leben verloren, fast die Hälfte davon waren Zivilisten. Jeder Zehnte war Jude.
Am meisten betroffen waren die Sowjetunion und die Rote Armee. Das sowjetische Volk zahlte einen hohen Preis für den Sieg. 27 Millionen Menschen starben, 12 Millionen davon waren Soldaten und Offiziere.

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