Neue Stolperschwelle an der JVA „Krümmede 1933-1945“, 5. Juni 2025

„Mehr als 2.000 politisch verfolgte Menschen inhaftiert, Angehörige des Widerstandes aus Frankreich, Belgien und anderen besetzten Ländern Westeuropas. Mitglieder verbotener Parteien – christliche Regimegegner – Homosexuelle – Zeugen Jehovas. Viele verstarben an den Haftbedingungen oder werden in Hinrichtungsstätten der NS-Justiz getötet.“

Alfons Zimmer, ehemaliger Seelsorger im Bochumer Gefängnis, mit Schüler:innen (v. li.) der Hildegardis-Schule, vom Heinrich-von-Kleist-Gymnasium , der Heinrich-Böll-Gesamtschule und vom Klaus-Steilmann-Berufskolleg (Foto: S. Wycisk)

Die Reden können unter der Webseite vom Bochumer Bündnis gegen Rechts nachgelesen werden: https://www.bochumgegenrechts.de/

Disziplinierung und harte Strafen auch bei Zwangsarbeiter:innen bei Widerstand in Form von Flucht und „Bummmelei“

„Ab September 1942 wurde die Strafverfolgung von Frauen und Männern aus Polen und der Sowjetunion ganz der Polizei überlassen. Art und Ausmaß der Bestrafung konnte von der Gestapo bestimmt werden und reichte von Inhaftierung in Gefängnissen, Arbeitserziehungs- und Konzentrationslagern bis hin zu Folter, Misshandlungen und der Todesstrafe. Ihre Maßnahmen unterlagen keiner gerichtlichen Kontrolle.“ (Quelle: https://www.bildung-ns-zwangsarbeit.de/informieren/arbeit-ausbeutung/disziplinierung-und-gewalt/) Wieviele Zwangsarbeiter:innen aber im Bochumer Polizeigefängnis oder der Justizvollzugsanstalt Bochum in der Krümmede einsaßen, ist aufgrund der vielfachen Vernichtung der Akten nicht bekannt.

Zeitzeug:innen aus der Ukraine in Bochum

Hochzeitsfoto von Iwan Grizenko mit Ehefrau, Schachtjorsk 1952 (Foto: Archiv Waltraud Jachnow)

Iwan Grizenko (*20.04.1926 Kirovo) schreibt im September 2000: „Im Januar brachte man uns in die Stadt Soest in ein (…) Lager. Ich arbeitete im Schacht. Dort zerschlug man mir den Finger. Im Krankenhaus legte man ihn in Gips. Ich arbeitete nicht. Während eines Bombenangriffs lief ich weg. (…) Man fing mich und brachte mich ins Gefängnis nach Münster und von dort ins Gefängnis nach Bochum. Das war ein Gefängnis! Sie bestraften und schlugen uns bei jedem Schritt. Das war im April 1942. Zwei Monate Gefängnis, danach zur Firma ‚Gebrüder Möninghoff‘, Wiemelhauserstr. 128.“ (aus: … und die Erinnerung tragen wir im Herzen, Bochum 2002, S. 173 f.)

Viele Zwangsarbeiter:innen in Haft – 2001 berichten bereits mehrere Personen davon!

WAZ 21.06.2001
Awil Knjasew (*28.11.1920 Kursk) 1999 zu Besuch in Bochum
(Foto: Archiv W. Jachnow; bearbeitet S. Wycisk)

„Mit Bochum wurde ich Ende August 1942 bekannt, als man mich nach der Flucht zwei Wochen ins Gefängnis sperrte.1 Am 8. Juni 1944 wurde ich auf Grund eines Hinweises eines russischen Hilfspolizisten zusammen mit einer Gruppe von Kameraden verhaftet und saß zwei Monate im Gefängnis in Gelsenkirchen. Anschließend kam ich ins KZ Buchenwald, Außenlager Hadmersleben. Meine Nummer war 70380.2

1Ich war dabei, als Awil Knjasew bat, ihn noch einmal zum Bochumer Gefängnis zu führen. Unvergesslich bleibt für mich der Eindruck wie der alte Mann allein die hohe rote Ziegelmauer abschritt und sie mit der Hand berührte, diesmal von außen! W. Jachnow.

2Der Internationale Suchdienst Arolsen bestätigt auf eine Anfrage aus dem Jahr 1993 am 27.04.1998, dass Awil Knjasew ab 04.08.1944 in Buchenwald war, eingeliefert durch die Staatspolizei/Staatspolizeileitstelle Münster, Kategorie “Russischer Zivilarbeiter, Poli. (=Politisch), roter Winkel”, ab 05.09.1944 kam er zum Konzentrationslager Buchenwald/Kommando Hadmersleben.“ (aus: … und die Erinnerung tragen wir im Herzen, Bochum 2002, S. 129)