

Von Donezk in den Pütt nach Bochum
Treffpunkt der Radtour der Initiative Gedenkort Bochum-Bergen war die Skulptur der „Knochen-Karl“ auf dem Gelände der ehemaligen Hauptverwaltung der Zeche Constantin. Nach einem Abstecher zum Prattwinkel – einer Straße in der der Steiger Nölting in den Kriegsjahren wohnte, der nachweislich Zwangsarbeiter gedemütigt hatte – fuhr die Gruppe in Richtung Kaiseraue nach Bochum-Grumme. An dem ehemaligen Standort der „Kaiseraue“ , Kreisverkehr Josephinienstraße/Tenthoffstraße, leitet Heinz Schlinkert von der Geschichtsgruppe Grumme seine Erläuterungen treffend mit der Formulierung ein: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“. Denn von der ehemaligen Gaststätte, die in den Kriegsjahren ab 1941 als Zwangsarbeiterlager diente, ist nichts mehr zu sehen. Lediglich ein Schild der Geschichtsgruppe erinnert an die Geschichte des einst beliebten Ausfluglokals. Der ehemalige Zwangsarbeiter Michail Petruk hielt seine Erinnerungen an die Zwangsarbeit auf Constantin und das Lager Kaiseraue in Briefen an die „Gesellschaft Bochum-Donezk e.V.“ wie folgt fest. Er schrieb: „Neben dem Gebäude (Kaiseraue) stand eine Baracke, umgeben mit Stacheldraht, in ihr lebten Franzosen. In diesem Lager lebten 240 Menschen – Ostarbeiter – … und 40 Personen aus der Westukraine.“ Alle aus dem Lager arbeiteten im Schacht 8/9 unter schwersten Bedingungen. Und wenn nach 8 Stunden in Hitze und Staub, nur mit Holzpantinen an den Füßen und halbnackt die „Norm nicht erfüllt wurde, musste man bis zur nächsten Schicht bleiben“. Der Hunger war unerträglich und die Nahrung vollkommen unzureichend und von äußerst minderer Qualität.
Der nächste Stopp, war das ehemalige Kosthaus (Schacht 6/7) – ein Gebäude, das jetzt im absolut renovierten und restaurierten Zustand ist und gewerblich genutzt wird (Weg am Kötterberg 10). Von der Schachtanlage ist auch hier nichts mehr zu erkennen. Auf dem Gelände ist jetzt der Trainingsplatz des VfL-Bochum und die Werkstatt Constantin-Bewatt angesiedelt. Also ein riesiges Gelände auf dem früher der Zechenbetrieb stattfand. Die Teilnehmenden bekamen auch hier einen Einblick in die harten Arbeitsbedingungen der 35-40 Zwangsarbeiter:innen „die uns über die Kräfte gingen“, wie die ehemalige Zwangsarbeiterin Jekaterina Okunewa in einem Brief an die „Gesellschaft Bochum-Donezk e.V.“ schrieb. Ihre Schilderung der unmenschlichen Behandlung der deutschen Bewacher zeigt, welche Demütigungen sie erleiden musste: „ Der Wirt hieß Herr Strafmann.(…) Die Wirtin (…) war eine sehr strenge Person, wir hatten Angst vor ihr. Der Polizist hieß August. Er lief hin und her und schlug mit der Peitsche auf seine Stiefel. Er war jung und wollte uns so erschrecken.“
Mit diesen Eindrücken machten sich die Radfahrenden auf den Weg zum denkmalgeschützten Torhaus mit ehemaligem Verwaltungstrakt der Zeche Constantin Schacht 10 in Bochum-Hiltrop, Wiekskamp. Hier angekommen verdunkelte sich der Himmel schlagartig – es wurde „Zappenduster“, so dunkel, wie das in den Briefen der Zwangsarbeiter:innen geschilderte Leben.
Am letzten Stopp dem ehemaligen Zwangsarbeiterlager an der Bergener Straße wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig der Erhalt des Lagers ist – es ist ein seltenes Monument aus der Zeit des für die Region bedeutsamen Ruhrbergbaus wie auch ein Denk- und Mahnmal für den Frieden und ein Sinnbild für die Folgen des völkerrechtswidrigen Angriffs auf Polen und die Sowjetunion zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.
