Gras drüber ? – Erste Radtour auf den Spuren von Zwangsarbeitern der Zeche Constantin

„Ich schreibe Ihnen, weil ich während des Krieges nach Deutschland verschleppt wurde und mich in der Stadt Bochum befand. Zuerst an der Kaiseraue, von 1942 bis 1943, danach auf dem Gelände des Schachtes Nr. 10. Auf dieser Schachtanlage wurde nicht gearbeitet, deshalb wurde dort unser Lager eingerichtet. 1944 wurden Baracken für das Lager Bergen an der Bergenerstr. gemacht. Meine Lager- und Arbeitsnummer war N-4007.“ (Nikolaj Storoschenko, Mai 1997 an Waltraud Jachnow)

Blick auf den Weg der Zwangsarbeiter vom Lager der Bergenerstr. zu Schacht X und Schacht 4/5

Die Schachtanlage 8/9 der Zeche Constantin, heute Kletterzentrum Neoliet in Bochum-Riemke, fehlt hier

Fotos: M. Kaiser, 26. Mai 2024; Ausschnitt von Wandkarte: Das Ruhrgebiet und Umgebung, Störmer 1953

„Mein Vater starb (1943) auf Grund der schweren Arbeit, der Unterernährung und der Schläge durch die Polizei, die das Lager bewachte.“

Nikolaj Storoschenko zum Schicksal seines Vaters Dimitrij Storoschenko

Dimitrij Storoschenko, der bis zu seinem Tod im Ukrainerlager auf Schacht 10 in der ehemaligen Waschkaue untergebracht war und auf Schacht 6/7 arbeitete, starb nach wenigen Monaten an den Misshandlungen im Februar 1943 und wurde auf dem Hauptfriedhof Freigrafendamm in Bochum beigesetzt.

Wieviel tote Zwangsarbeiter aber insgesamt zu beklagen waren, ist bislang weder für einzelne Betriebe oder Zechen noch für Bochum insgesamt dokumentiert!

Für deren große Anzahl seien stellvertretend zwei Opfer genannt, die auf dem Südfriedhof in Herne beigesetzt wurden und über deren Urkunden wir verfügen:

Iwan Emelit, geb. in Harlowka-Stalino am 8. 4. 1904, hat als sog. Zivil-Russe mit der Markennr. 2312 vom 14.4.1942 auf der Schachtanlage 4/5 der Zeche Constantin gearbeitet und starb schon nach 2 Monaten am 7.6.1942.

Und das Baby Ludmilla Hubry, geb. am 22. Febraur 1944, die zuletzt laut den Akten des Evangelischen Krankenhauses in der Bergenerstr. wohnhaft war. Ludmilla wurde am 21.12.1944 mit der Diagnose: Herz- und Kreislaufschwäche, Masern Bronchopneumonie, Otitis med. dupl. eingeliefert und verstarb dort kurze Zeit später am 8. Januar 1945 um 10.30 Uhr.

Wer waren ihre Eltern und wie waren die Lebensumstände und Überlebenschancen von Kindern im unmenschlichen NS-Lagersystem? Überraschende neue Funde und noch viele offene Fragen!

War Paulina Hubrij, die im Januar 1944 vom Lager Kantstr. in Herne zum sog. Kosthaus der Zeche Constantin Schacht 6/7, Hiltroperstr. 230, heute Weg am Kötterberg in Bochum-Grumme, verlegt wurde, die Mutter von Ludmilla Hubry?

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