Zur Geburt von Ludmilla Hubry am 22.2.1944 – ein viel zu kurzes Leben!

Wie neue Funde zu Zwangsarbeiterinnen der Zeche Mont Cénis durch Céline Spieker, Lehrerin an der Mont-Cenis-Gesamtschule in Herne zeigen, war Ludmilla Hubry, vermutlich Tochter der Zwangsarbeiterin Paulina Hubrij (*04.07.1917 in Kaminiez Podolsk, Ukraine). Diese wurde am 03.01.1944 vom Lager Kantstr. der Zeche Mont Cénis, die seit 1939 zur Gewerkschaft Constantin gehörte, ins Kosthaus der Zeche Constantin in Bochum Grumme, verlegt und brachte dort ca. 7 Wochen später am 22.02.1944 Ludmilla zur Welt. Ludmilla verstarb dann bereits mit 10 Monaten am 08.01.1945 im Evangelischen Krankenhaus (EvK) und wurde auf dem Südfriedhof Herne (Abtlg. 47/Grabnr. 72) beerdigt.

Als Todesursachen wurden folgende Erkrankungen des Babys angegeben: „Herz- und Kreislaufschwäche, Masern, Bronchopneumonie, Otitis med. dupl.“ (Qu. EvK Herne)

arolsen archives DOCID:77086328,
DocID: 7598899, DocID:70662862 (EvK Herne s.u.)

Wie kam es zu ihrem Tod unter den Lagerbedingungen auf Constantin? Welche Fürsorge erhielten Schwangere und Kinder?

Ludmilla soll im Lager Bergenerstr. gelebt haben. Wer war ihr Vater und wer hat sich dort um sie gekümmert?

War sie das einzige Kleinkind oder gab es vor Ort noch mehr Kinder?

Schwangerschaft – kein Einzelfall!

Eine Zwangsarbeiterin Maria hatte sich mit einem russischen Kriegsgefangenen Boris (vermutlich aus dem Lager Zillertal, Erg. W.J.) angefreundet, als er mit einer Gruppe zum Dampfbad, zur Desinfektion kam. Sie wurde schwanger. Boris kam bei einem Bombardement auf sein Lager ums Leben. Ob Maria im Krankenhaus oder im sog. Kosthaus von Constantin entbunden hat, weiß Jekaterina Okunewa nicht zu berichten. Auf jeden Fall hat sie mit dem Baby später im Kosthaus gewohnt. Frau Zibula hat sie betreut, wie sie auch alle Kranken betreut hat. Sie wohnte nicht im Kosthaus, ob sie Ärztin oder Krankenschwester war, ist nicht bekannt.

Quelle: Video, Stadtarchiv Bochum, Mitschrift zum Interview von Jennemann-Henke mit Jekaterina Okunewa, Bochum 2004

Kind einer Zwangsarbeiterin Zeche Caroline 2, Bochum 1944
(Foto-Archiv: Waltraud Jachnow)

Interessante Datenbank mit Material u.a. zum Arnoldhaus, dem Wöchnerinnenheim der Fa. Krupp in Essen sowie der Kinderbaracke „Buschmannshof“ in Voede siehe: http://www.krieggegenkinder.de

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