20.000 zwangsdeportierte Italiener für den Ruhrbergbau

Seit Herbst 1943 versiegte aufgrund des Vorrückens der Roten Armee der Arbeitkräfte-Nachschub aus Osteuropa.

Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten (8.9.1943) zerbrach die faschistische Achse Berlin-Rom.

Die deutsche Besetzung Nord- und Mittelitaliens hatte brutale Massaker an der Zivilbevölkerung zur Folge. Unter dem Vorwand der Partisanenbekämpfung wurden bei sog. „Durchkämmaktionen“ in ländlichen Bergregionen gewaltsam junge, Männer für die Zwangsarbeit u.a. im Ruhrgebiet rekrutiert.

Neben den sowjetischen Arbeitskräften waren seit Ende 1943 vor allem die Italienischen Militärinternierten einer menschenunwürdigen Behandlung unterworfen.“ (Ulrich Herbert nach H. Menne/ M. Farrenkopf, Bochum 2004, S. 18)

20.000 „militärinterierte Italiener“ (IMIs) – allein 1.250 für die Zeche Constantin !

Am 2. Februar 1945 kamen um 23 Uhr einundzwanzig italienische Zwangsarbeiter und ein „Russe“durch „feindseligen Luftangriff“ im Lager Bergenerstr 116 a-i in Bochum, ums Leben. Ihr Tod wurde vom Lagerführer Karl Pyter, Herne, angezeigt. Sie wurden auf dem Hauptfriedhof in Bochum beigesetzt. (Quelle: Sterbebuch – Standesamt Bochum Gerthe, 1945 Band I, Stadtarchiv Bochum).

Seit wann waren sie dort untergebracht? Was kann man über ihre Geschichte in Erfahrung bringen? Warum wurden vor allem sie tödlich getroffen?

(Quelle: Auszug der Direktorenbesprechung Hauptverwaltung des Kohlenbergbaus vom 12.10 1943, montan.dok BBA 20/2884)

Die Gewerkschaft Ver. Constantin der Große vermerkt im Juli 1944, dass zusätzlich zu den 737 Italienern 100 IMIs neu angelegt werden. Zusammen mit den 620 (westlichen) ausländischen Arbeitskräften, 529 zivilen Ostarbeitern und 1.713 russischen Kriegsgefangenen betrug der gesamte Ausländerstand zu dem Zeitpunkt 3.599 (montan.dok BBA 20/2885); bei einer Gesamtbelegschaft von ca. 9.000 Beschäftigten (1945: 8.905, montan.dok BBA 20/2880). Im Juli 1944 berichtete Baumeister Raulff, Zeche Constantin, dass Restarbeiten für das Barackenlager der Militärinternierten Italiener (IMI) in Hiltrop vor der Fertigstellung stünden. In den Mannschaftsbaracken aus Holz wären 670 Personen untergebracht, nach Fertigstellung könnten sie mit bis zu 1.080 IMIs belegt werden. (BBA 20/2885). Auf den Schächten 4/5 der Gewerkschaft Ver. Constantin d. Große, auf der Grenze zwischen Bochum-Bergen und Herne gelegen, werden ab Oktober 1943 über 700 „kriegsgefangene Italiener“ angelegt, die z.T. bisApril 1945 dort geführt werden (ITS 27-52, Kriegsgefangene Italiener, Arolsen Archives).

Laut Hans-Christoph Seidel, Institut für soziale Bewegungen (Bochum), begann der Einsatz im Oktober 1943 mit 2.038 Italienischen Militärinternierten im Ruhrbergbau und steigerte sich auf ca. 11.918 im Juli 1944. Mit 3,1% der Belegschaften blieb ihr Anteil aber im Vergleich zu der größten Gruppe der russischen Kriegsgefangenen (ca. 20%) vergleichsweise gering. (H.-C. Seidel, Der Ruhrbergbau im Zweiten Weltkrieg, S. 391 f.)

Die Kommentare sind geschlossen.