Lesebrief an die WAZ
55 Jahre nach seinem Tod und fast 80 Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges finanziert die Alfried Krupp-Stiftung eine mehrjährige Studie zum Verhältnis von Krupp zum NS. Zu begrüßen ist, dass nicht nur seine Person, sondern auch das mörderische, profitable System der Zwangsarbeit im Fokus stehen. Gerade im Ruhrgebiet litten zig tausende ausländische Zwangsarbeiter*innen im Ruhrbergbau und der Eisen-und Stahlindustrie an den katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen oder bezahlten für den faschistischen Krieg mit dem Tod.
Verantwortliche Großbetriebe haben nur zögerlich in den Entschädigungsfonds der Stiftung Erinnern Verantwortung Zukunft (EVZ, 2000) eingezahlt. Um die vergleichsweise geringen einmaligen Beträge der Auszahlung musste hart gerungen werden. Ein Leben in Invalidität und Armut war oftmals das Schicksal Vieler, die ins Ruhrgebiet verschleppt wurden und hier ihre Jugend oder ihr Leben ließen.
Seit 2021 steht das ehemalige Lager für sowjetische und polnische Zwangsarbeiter der Zeche Constantin, eine der größten Krupp-Zechen, in Bochum-Bergen in der Öffentlichkeit. Hier soll ein neuer Gedenkort für den Ruhrbergbau entstehen, an dem historisch-politische Bildung gegen das Vergessen an einem authentischen Ort erfahrbar wird. Finanzielle Mittel für die stets klamme Kommune sind hierfür erforderlich! Welchen Beitrag kann die Krupp-Stiftung dazu leisten?
Susanne Wycisk
(gekürzt erschienen in der WAZ vom 26.7.2023)
